Die Geschichte vom kleinen blauen Planeten (eine Gutenachtgeschichte):

Kennt ihr schon den kleinen blauen Planeten? Nein? Na, dann will ich euch mal schnell von ihm erzählen.

Er war der einzige blaue Planet weit und breit und darauf war er ziemlich stolz. Obwohl er ja nichts dafür konnte. Wie alle Planeten hatte auch er eine turbulente Kindheit hinter sich. Aber jetzt hatte er es sich ziemlich behaglich eingerichtet, nah genug bei seiner Sonne, um einmal in der Woche die Wäsche vorbeizubringen, aber weit genug weg, dass sie nicht alle Nase lang vorbeikam, um die Fenster zu putzen oder lästige Ratschläge zu geben.

Dieser kleine Planet hatte ein Hobby. Irgendwann hatte er festgestellt, dass er Freude daran hatte, Dinge auf sich wachsen zu lassen. Denn manchmal fühlte er sich schon ziemlich einsam, so als einziger blauer Planet weit und breit.

Also erfand er dieses Spiel, das wie gesagt darin bestand, auf sich die unterschiedlichsten kleinen Dinge rumkrabbeln zu lassen. Das machte Spaß und kitzelte so schön.

Besonders lustig fand er es, wenn diese Dinge gediehen, sich fortpflanzten, wieder vergingen, neu geboren wurden. Sich entwickelten. Dieses ganze nette Gewimmel nannte er “Leben”.

Das lief nun schon ziemlich lange so. Mittlerweile wusste er schon garnicht mehr, wie er auf das Spiel und wann und warum er auf diesen seltsamen Namen gekommen war.

Alles klappte wie am Schnürchen und hätte eigentlich auch noch Ewigkeiten so weitergehen können. Aber eines Tages fing er sich was Böses ein. Ausgerechnet, als es gerade am Schönsten war.

Aber dieses winzige neue Wesen, das erst so vielversprechend ausgesehen und an dem er anfangs solch eine Freude gehabt hatte, war in Wirklichkeit ein gefährlicher Krankheitserreger.

“Menschheit”. Zu dumm!

Zu Beginn hatte es ihn nur hier und da seltsam gejuckt. Aber dann war alles plötzlich rasend schnell gegangen. Das gelegentliche Jucken war über Nacht angewachsen zu einem Geschwür, das sich bereits auf seinem ganzen Körper ausgebreitet hatte, giftige Dämpfe absonderte und nun ernstlich drohte, ihm den Garaus zu machen.

Er war schon ganz grau geworden. Wo war bloß all die schöne Bläue hin? Tief lag er im Fieber. Fast hätte es ihn wirklich dahingerafft.

Um ihn zu pflegen und ihm wenigstens seinen Schüttelfrost etwas zu lindern, kam nun zum Glück die Sonne vorbei, die das Elend nicht länger tatenlos mit ansehen konnte. Sie strahlte und strahlte. Und es wurde wärmer und wärmer.

Nun hatte die Sonne ja nicht etwa Medizin studiert. Aber ihre Intuition hatte wohl das Richtige getroffen, denn die Wärme entzog den Keimen den Nährboden, so dass sie nach einer Weile einfach ausstarben.

Da hat unser Planet also wohl gerade noch mal Glück gehabt…

Das ist nun vierzehn Tage her und der kleine Patient hat schon wieder seine erste Hühnerbrühe bei sich behalten. Es sieht ganz so aus, als würde er es schaffen.

Auf all seine anderen kleinen schönen Spielzeuge wird er jetzt allerdings erstmal verzichten müssen. Die sind nämlich bei der Rosskur leider mit drauf gegangen. Das ging nicht anders.

Aber ich vermute mal, das ist ihm auch ganz recht so. Nach allem. Vielleicht macht er sich ja irgendwann mal ein paar neue. Das heißt, wenn seine Bläue wiederkehrt.

Vielleicht in zwei Jahren oder so.

Kopf hoch, kleiner silbergrauer Planet. Das wird schon. So oder so… … …        

So, ihr Lieben, das war also die Geschichte vom kleinen blauen Planeten. Und jetzt wird das Licht ausgemacht und  ganz schnell geschlafen.

Morgen ist ja schließlich auch noch ein Tag.

[Christian Brockmeier, 2007]

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